Die Textübung (max. 3 Punkte)

Für Redakteure jeder Lokalzeitung ist es der Alltag, nun ergeht es den 80 Bewerbern genauso. Sie erhalten eine Polizeimeldung, gut ein halbes Blatt lang und leider missraten: inhaltlich durcheinander, mit ausufernden Sätzen, gestelzt und unpräzise formuliert. Die Bewerber haben 45 Minuten Zeit, den Text neu zu schreiben, möglichst besser.

Es mag helfen, dies schon bei Redaktions-Praktika gelernt zu haben – doch auch mit gesundem Menschenverstand und Sprachgefühl lässt sich diese Aufgabe bewältigen. Das Ergebnis gibt uns einen Hinweis auf die Fähigkeit eines Bewerbers, Textinhalte rasch zu erfassen, zu gewichten und das Ganze in klaren, gefälligen Sätzen zu einer Nachricht zusammenzufassen.

Nachrichtenübung der Finalrunde 2016

Vor drei Tagen veröffentlichte die Bundespolizeidirektion Sankt Augustin nachfolgende Pressemitteilung. Wir haben sie nur an wenigen Stellen verändert.

Nun sind Sie dran: Sie arbeiten in einer Lokalredaktion, bekommen diese Polizeimeldung auf den Tisch und wollen sie morgen in Ihrer Rubrik „Vermischtes“ veröffentlichen. Leider ist der Text arg schwach: diverse Schreib- und Grammatikfehler, steifes Behördendeutsch und schräger Satzbau, Einstieg und Gliederung suboptimal. Es gibt viel zu verbessern. Tun Sie es. Schreiben Sie eine neue, knackiger zu lesende Meldung von max. 1100 Zeichen (Länge der vorliegenden Mitteilung: knapp 1800 Zeichen). Plus Überschrift (1 Zeile). Und bauen Sie dort, wo es Ihnen sinnvoll erscheint, Absätze ein.

Recklinghausen – Gegen 12:30 Uhr wurden gestern Mittag (13. April) Bundespolizisten im Hauptbahnhof Recklinghausen, auf Grund einer Fahrpreisunregelmäßigkeit, zum Intercity 2201 (Münster – Essen) gerufen. Insgesamt sechs Italiener (20/20/22/22/23/24) nutzten den Zug ohne Fahrausweis. Sie baten das Bordpersonal darum, ihren Fahrpreis in Form von Getränkedosen zu zahlen. Darauf liessen sich die Bahnmitarbeiterinnen und Bahnmitarbeiter jedoch selbstverständlich nicht ein und informierten nach einer Diskussion in lautstarker Atmosphäre die Bundespolizei, die nun gegen die Männer ermittelt. Die sechs ausweislich ihrer Pässe italienischen Staatsangehörigen versicherten, sie wären dabei, quer durch Europa zu reisen, weil sie sich an einem Wettbewerb eines großen Energydrink Herstellerkonzerns beteiligen würden. Die Reisen mit vor allem öffentlichen Beförderungsmitteln sollen zeigen, dass die konsumierten Energy Drinks ihre Konsumenten so beflügeln, dass kein anderes Zahlungsmittel mehr notwendig ist. Ihre einzige Währung wären Energy-Drinks, sie hätten keinerlei Bargeld bei sich. Die Zugkartenkontrolleure akzeptierten diese Währung jedoch nicht. Auch als „Geschenk“ lehnten sie die Dosen ab. Die Bundespolizei stellte die Personalien der Männer fest. Da sie tatsächlich nicht im Besitz von anerkannten Zahlungsmitteln waren, wurden die Männer von der Fahrt ausgeschlossen und Ermittlungsverfahren wegen Beförderungserschleichung eingeleitet. Sie wurden gemeinsam mit mehreren Paletten Energie-Drinks auf den Bahnsteig verschafft. Nach Angaben der Italiener waren sie in Berlin gestartet und hatten es in Hamburg und Münster bis nach Recklinghausen geschafft. Wie oft sie auf ihrer Fahrt quer durch Deutschland bereits beanzeigt wurden, ließ sich nicht klären.